Im Jahr 2022 startete Katharina Gessl mit ihrem ersten eigenen Jahrgang und einer klaren Vorstellung davon, wie ihre Weine schmecken sollen. Dabei verbindet sie Herkunft und Tradition mit dem Mut, Gewohntes zu hinterfragen. Im Interview spricht die junge Winzerin über ihren Weg in die Selbstständigkeit, biologischen Weinbau, die Herausforderungen als Unternehmerin und darüber, warum Frauen in der Landwirt-schaft noch sichtbarer werden sollten.
Vor drei Jahren haben Sie in Zellerndorf Ihr eigenes Weingut gegründet. Was hat Sie damals dazu bewogen, diesen Schritt zu wagen und Ihren eigenen Betrieb aufzubauen?
Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Familienweingut aufgewachsen und hatte dadurch früh einen Bezug zu Wein und Natur. Nach meinem Studium und verschiedenen beruflichen Stationen im Ausland habe ich viele unterschiedliche Zugänge zu Weinbau und Unternehmertum kennengelernt.
Irgendwann wurde mir klar, dass ich nicht nur über Wein sprechen oder für andere Weinprojekte arbeiten, sondern meine eigenen Vorstellungen umsetzen möchte. 2022 habe ich deshalb mit meinem ersten Jahrgang begonnen – bewusst klein, mit viel Handarbeit und Weinen, hinter denen ich zu hundert Prozent stehen kann. Irgendwann muss man einfach anfangen und sich trauen.
Wie würden Sie Ihren persönlichen Zugang zum Weinmachen beschreiben und was unterscheidet Ihren Weg vielleicht von dem früherer Generationen?
Ich arbeite stark nach Bauchgefühl, beschäftige mich aber intensiv mit Wein, probiere viel, tausche mich mit Kollegen aus und hinterfrage Entscheidungen. Mein Weg liegt für mich zwischen Klassik und Moderne: Ich möchte die Tradition weder einfach übernehmen noch bewusst ablehnen, sondern herausfinden, was für meine Weingärten und meine Vorstellung von Wein sinnvoll ist. Meine Weine sollen unkompliziert und direkt sein, aber trotzdem Charakter sowie Ecken und Kanten haben. Darin liegt für mich meine persönliche Handschrift.