Frauen führen heute viele landwirtschaftliche Betriebe, trotzdem wird Landwirtschaft nach außen noch häufig männlich wahrgenommen. Erleben Sie diese Diskrepanzin der Bio-Branche auch?
Ob es dazu konkrete Studien gibt, weiß ich nicht, aber meine persönliche Wahrnehmung ist eine andere: Uns Bio-Betriebe zeichnet ein wertschätzendes Miteinander aus. Und das gilt nicht nur den Tieren, den Pflanzen, dem Boden und der Um-welt gegenüber, sondern auch im Umgang miteinander.
Ich erlebe in der Bio-Landwirtschaft eigentlich wenig Unterschied darin, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist. Für mich ist dieses gleichberechtigte Dasein etwas, das den Bio-Bereich sehr stark auszeichnet. Natürlich gibt es auch hier noch traditionelle Rollenbilder und Bereiche, in denen Frauen noch sichtbarer sein könnten. Aber gerade auf vielen Bio-Höfen erlebe ich Frauen als selbstverständlichen und wichtigen Teil der Betriebsführung und der Entwicklung des Hofes. Diese Realität wird nach außen vielleicht noch nicht immer in diesem Ausmaß wahrgenommen.
Bio-Höfe erschließen häufig zusätzliche Bereiche wie Direktvermarktung, Verarbeitung oder Bildungsangebote. Welche Rolle spielen Bäuerinnen bei solchen Entwicklungen?
Tatsächlich kommen mir tagtäglich sehr viele innovative Bio-Betriebe unter, die sich nicht nur auf ein Standbein konzentrieren, sondern auf mehreren Standbeinen stehen. Das ist gerade in herausfordernden Zeiten sehr hilfreich, weil es die Betriebe besser absichert und für stabilere Einkommen sorgen kann. Arbeitsintensive Betriebe brauchen oft mehrere Personen, die Verantwortung tragen, und da spielen Bäuerinnen und Betriebsführerinnen eine ganz wichtige Rolle. Gerade in der Verarbeitung, in der Direktvermarktung oder bei Bildungsangeboten bringen Frauen sehr viel Kreativität, Engagement und Wissen ein.