Salz braucht Wärme. Um aus Sole das begehrte Mineral zu gewinnen, muss erst das Wasser verdampfen – ein energiehungriger Vorgang, der in der Saline Ebensee lange mit Holz befeuert wurde. Dieser Brennstoffbedarf setzte die Wälder unter Druck und machte die Versorgung zunehmend aufwendig. Je weiter das Holz transportiert werden musste, desto drängender wurde die Frage: Ließ sich Salz auch mit weniger Brennmaterial gewinnen? Für Peter Ritter von Rittinger wurde daraus eine technische Herausforderung. Seine Antwort zielte nicht auf ein größeres Feuer, sondern auf einen klügeren Umgang mit der bereits eingesetzten Energie.
Rittingers Ansatz war ebenso einleuchtend wie anspruchsvoll: Der beim Sieden entstehende Wasserdampf sollte nicht ungenutzt entweichen. Durch Verdichtung ließ sich sein Temperaturniveau anheben, sodass seine Wärme erneut zum Verdampfen eingesetzt werden konnte. Heute wird dieses Verfahren als Brüdenverdichtung bezeichnet. Statt die Wärme nach einmaligem Gebrauch abzuführen, sollte sie im Prozess weiterarbeiten. 1853 erhielt Rittinger ein Patent für sein Abdampfverfahren; 1855 veröffentlichte er eine theoretisch-praktische Abhandlung darüber.
Die Versuche in Ebensee folgten 1856 und 1857. Damit gehört der österreichische Montanist mit zu den frühen Wegbereitern der Wärmepumpentechnik. Die Geschichte war allerdings kein geradliniger Triumph. Mit Süßwasser funktionierte der Versuchsapparat, beim Betrieb mit Salzsole entstanden Verkrustungen, die einen dauerhaften Einsatz verhinderten. Zwischen einer überzeugenden Idee und einer verlässlich laufenden Industrieanlage lag also noch erhebliche Entwicklungsarbeit.