Lange galt Soja in Europa als Nischenprodukt für Vegetarier, Veganer und Reformhauskunden, heute ist sie längst im Alltag angekommen und findet sich in jedem Supermarktregal. In den Küchen kommt sie als Tofu in der Pfanne, als Drink im Kaffee, als Joghurtalternative im Kühlregal oder als Tempeh in der kreativen Gemüseküche vor. Das zeigt schon, dass Soja vielseitig ist, vor allem aber ist sie eiweißreich, gut verarbeitbar und geschmacklich wandelbarer.
Gleichzeitig steht kaum ein pflanzliches Lebensmittel so stark zwischen den Fronten als das Symbol für industrielle Landwirtschaft, Monokulturen und Regenwaldzerstörung. Beides hat mit der Wirklichkeit zu tun, doch oft wird die wichtigste Unterscheidung nicht deutlich genug: Es gibt Soja für Lebensmittel und Soja für Tierfutter.
Global betrachtet wird ein erheblicher Teil der Sojabohne nicht direkt als Tofu oder Edamame gegessen, sondern zu Sojaschrot verarbeitet, das vor allem in der Tierfütterung landet. Die FAO (Food and Agriculture Organization) beschreibt die Sojabohne als zentrale Quelle für Eiweißfuttermittel; im OECD-FAO Agricultural Outlook wird Sojaproteinmehl sogar als nahezu ausschließlich für Futter genutzt eingeordnet. Auch Datenauswertungen von „Our World in Data“ zeigen, dass Soja überwiegend indirekt über Fleisch, Eier und Milch konsumiert wird und gar nicht in Form von Tofu auf dem Teller landet.
Soja, die in europäischen Lebensmitteln verarbeitet wird, macht demnach nur einen vergleichsweise kleinen Teil in der Gesamtdiskussion aus. Der weitaus größere Hebel für nachhaltiges Wirtschaften liegt bei der Tierproduktion und damit bei Futtermittelströmen. Das erklärt auch, warum Umweltorganisationen seit Jahren vor allem auf importierte Soja in der Tierfütterung ihren Fokus legen.