Am Karsamstag stand bei meiner Großmutter jedes Jahr dieselbe Schüssel auf dem Küchentisch: lauwarmes Wasser, Zwiebelschalen, ein paar Kräuterblätter – und ein ganzer Korb Eier. Wir Kinder durften die Eier vorsichtig in die Farbe legen, später glänzten sie rotbraun, goldgelb oder marmoriert. Bevor das erste Ei „gepeckt“ wurde, kam aber immer derselbe Satz: „Mit Lebensmitteln geht man achtsam um.“ Diese Haltung passt gut zu dem, was Eier heute ausmacht. Sie sind nährstoffreich, vielseitig, in jedem Supermarktregal zu finden und dennoch kein unbegrenzt verfügbares Produkt.
Eier sind kein modernes Nahrungsmittel. Sie stehen schon lange auf dem Speiseplan, weil sie ein kompakter Nährstoffspeicher sind. Der gezielte Umgang mit Hühnereiern begann erst mit der Domestizierung von Hühnern und einer planbaren Haltung. Davor wurden noch die Eier vieler Wildvogelarten gesammelt und verzehrt.
Eier liefern hochwertiges Protein und eine Reihe essenzieller Nährstoffe, unter anderem Vitamin B12, Selen, Jod und Cholin, das wiederum für den Fettstoffwechsel und das Nervensystem relevant ist. Gleichzeitig enthalten Eier Cholesterin, ein Fett, und genau das sorgt immer wieder für Diskussionen, denn zu viel davon kann sich an den Wänden der Blutgefäße ablagern und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen.
Aktuell weisen Daten aus medizinischer Forschung darauf hin, dass für die gesunde Allgemeinbevölkerung ein moderater Eierkonsum meist nicht mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden ist. Beispielsweise fand eine Analyse aus dem Jahr 2020, deren Ergebnisse im British Medical Journal publiziert wurden, keinen Zusammenhang zwischen Eierkonsum und kardiovaskulären Erkrankungen. Auch nach Angaben eines Faktenchecks von medizin transparent zeigt sich, dass bei gesunden Erwachsenen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht erhöht wird, wenn diese bis zu fünf Hühnereier pro Woche im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung verzehren.